Fast nichts ist so zuverlässig wie meine jährlich wiederkehrende Herbstdepression. Spätestens Ende September, wenn die Uhren umgestellt werden, sinkt meine Stimmung auf den Nullpunkt und ich kann mich zu nichts aufraffen. Ich werde unzufrieden, ungerecht und bin ständig müde. Wenn ich dann merke, wie meine gesamte Leistungsfähigkeit darunter leidet und ich anfange, über meine Gefühle und Emotionen nachzugrübeln, weiss ich, es ist Zeit, aktiv zu werden.

Ganz bewusst konzentriere ich mich jetzt auf die schönen Seiten dieser Jahreszeit und setze mir jeden Tag kleine, realistische Ziele. Wenn ich das Ziel erreicht habe, belohne ich mich überschwenglich dafür und tue mir selbst etwas Gutes. Das sind manchmal nur Kleinigkeiten, wie ein heisses Schaumbad oder eine Tasse Tee. Aber nach einem Spaziergang im Regen beispielsweise, zu dem ich mich wirklich überwinden musste, kann ich mich auf solche Kleinigkeiten freuen und sie in vollen Zügen geniessen.

Studien belegen, dass die Herbstdepression in Wahrheit eine Lichtmangeldepression ist. Durch den Mangel an Tageslicht entsteht im Gehirn ein Mangel an Serotonin, das sogenannte Glückshormon. Dieses steuert unseren Schlaf-Wach-Rhythmus, Körpertemperatur und den Energiehaushalt. Verständlich also, dass jeder von uns dann schnell mal in ein Stimmungstief abrutscht, wenn die Tage kürzer werden.

Mit ein wenig Disziplin und der richtigen inneren Einstellung ist es gar nicht so schwer, mit der Herbstdepression umzugehen. Ich versuche immer, mich auf das Positive zu konzentrieren und zu lernen, Dinge, die ich nicht änderen kann, einfach mal hinzunhemen. Wenn ich beispielsweise einen stressigen Arbeitstag mit unangenehmen Situationen erlebt habe, dann kompensiere ich das mit einem besonders schönen Abend. Allein schon die Planung lässt die negativen Erlebnisse in den Hintergrund treten und die Vorfreude erledigt den Rest.

Es gibt zahlreiche Therapien gegen Herbstdepressionen, die ganz ohne Medikamente funktionieren. Wichtig ist vor allem, aktiv zu bleiben und sich nicht zurück zu ziehen. Viel Bewegung, möglichst im Freien, eine gesunde und ausgewogene Ernährung und eine positive Lebenseinstellung sind beste Voraussetzungen.